EINSVIER-Interview: Wir brauchen die ProPotsdam als Zugpferd

Meta Navigation

Hauptnavigation

Interview: Wir brauchen die ProPotsdam als Zugpferd

Der russische Krieg gegen die Ukraine und seine Folgen für die Energieversorgung und die Lebenshaltungskosten prägen zunehmend unseren Alltag. Die Landeshauptstadt Potsdam und die ProPotsdam haben mit einem „Aktionsplan für bezahlbares Wohnen und sozialen Zusammenhalt“ darauf reagiert. EINSVIER sprach mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mike Schubert über den Plan, den die Stadtverordnetenversammlung Ende letzten Jahres beschlossen hat.

Oberbürgermeister Mike Schubert im Wintermantel
Masterplan Klimaschutz: Oberbürgermeister Mike Schubert will die Energiewende in Potsdam vorantreiben.

Herr Schubert, der Aktionsplan enthält kurzfristige Entlastungen wie auch langfristige Aufgaben zur Energieversorgung und zum Klimaschutz. Welchen Intentionen folgt diese Koppelung?

Neben den Entlastungspaketen des Bundes haben wir nach konkreten Möglichkeiten gesucht, um die Mieter*innen in dieser schwierigen Situation zu entlasten. Deshalb haben wir Mieterhöhungen ausgesetzt und ab Oktober 2023 gedeckelt. Aber das eine geht nicht ohne das andere: Wir müssen kurzfristig die Krise managen, sowie mittel- und langfristig Grundlagen schaffen, um vor solchen Krisen geschützt zu sein.

Wie ordnet sich der Beitrag der ProPotsdam ein ins Gesamtkrisenmanagement des Rathauses?

Die Kolleg*innen im Rathaus arbeiten seit Monaten daran, die Auszahlung finanzieller Hilfen zu organisieren. Die lange Diskussion um das Wohngeld auf Bundesebene hat uns hier Zeit gekostet. Wir rechnen mit einer Verdreifachung der Zahl der Anspruchsberechtigten und mussten dafür die personellen Voraussetzungen schaffen.

Zugleich haben wir uns auf zeitweilige Ausfälle der Energieversorgung vorzubereiten. In solchen Fällen müssen wir Menschen und Infrastruktur schützen. Entsprechende Szenarien mussten erarbeitet und Vorkehrungen getroffen werden, auch in den Bereichen medizinische Versorgung, Feuerwehr, Bildung und Verwaltung. Die Krise betrifft alle Lebensbereiche der Gesellschaft. So komplex wie die Krise ist, so komplex ist auch unser Herangehen.

Sollte die Krise eskalieren, es zum Beispiel zur Unterbrechung der Energieversorgung kommen: Sind wir gut auf solche Situationen vorbereitet?

Wir sind vorbereitet. Aber ich hoffe, dass wir das in der Praxis nie erproben müssen.

Und falls es doch dazu kommt: Was raten Sie den Potsdamer*innen?

Ruhe bewahren, umsichtig handeln, aufeinander achten. Das ist das Wichtigste.

Wie Sie sagten, weist der Aktionsplan über die augenblicklich angestammte Situation hinaus. Wie lange werden wir für die Energiewende brauchen?

Man darf sich das nicht so vorstellen, dass es da einen Zieleinlauf geben wird, oder ein Datum, das wir vorher verkünden. Das wird ein längerer Prozess sein, für den wir uns im Masterplan Klimaschutz das Jahr 2050 als Zielmarke vorgenommen haben. Vielleicht geht das nun unter dem Druck der Ereignisse schneller, weil mehr Menschen spüren, dass es notwendig ist, stärker erneuerbare Energien zu nutzen.

Wir fangen da nicht bei null an, in Potsdam treiben wir seit vielen Jahren die Energiewende voran. Neuestes Beispiel ist die mögliche Geothermieanlage in der Heinrich-Mann-Allee, wo die Energie und Wasser Potsdam 1.800 Meter tief bohren lässt und Geothermie nutzen möchte.

Mehr Energieeffizienz: Im Schlaatz werden, wie hier am Binsenhof bereits geschehen, die Gebäude nach und nach saniert.

Welche Rolle spielen dabei die integrierten Quartierskonzepte, die der Aktionsplan erwähnt?

Beim Neubau von Siedlungen kann man Klimaschutz und Energieeffizienz schon bei der Planung bedenken. Das macht der Entwicklungsträger Potsdam gerade in Krampnitz vor.

Aber wie geht das in bestehenden Stadtteilen mit einem gewachsenen Gebäudebestand und entsprechender Infrastruktur?

Dazu braucht es integrierte Quartierskonzepte. Die Gartenstadt Drewitz ist ein gutes Beispiel: Hier hat man nicht nur die Gebäude energetisch ertüchtigt, sondern den ganzen Stadtteil verändert. Reduktion des Durchgangsverkehrs, eine bessere Anbindung der Radwege, Parkraumbewirtschaftung, Entsiegelung von Flächen, Erweiterung des Grünraums … Alles das sind Maßnahmen, die zu mehr Energieeffizienz führen. Gleiches wollen wir nun mit dem Masterplan 2030 im Schlaatz erreichen.

CO2-neutral: Mit der Erneuerung des Quartier 8 leistet die ProPotsdam gemeinsam mit zwei Potsdamer Genossenschaften einen weiteren Beitrag für ein klimaneutrales Drewitz.

Die ProPotsdam soll neu bauen und sanieren, Stadtteile entwickeln, Grundstücke erwerben, gleichzeitig aber die Einnahmen deckeln. Kann das ein Unternehmen, das wirtschaftlich funktionieren muss?

Die ProPotsdam ist ein starkes Unternehmen, das sich auch in der Vergangenheit erfolgreich für Neubau, Sanierung und Stadtentwicklung engagiert hat. Für viele der ihr übertragenen Aufgaben gibt es Fördermittel des Landes, des Bundes und der EU. Um die müssen wir uns kümmern, wie in der Vergangenheit auch schon.

Aber natürlich werden wir die Wirtschaftlichkeit der ProPotsdam im Auge behalten. Ein Zugpferd nutzt wenig, wenn es lahmt. Und wir brauchen die ProPotsdam als Zugpferd.

INTERVIEW CARSTEN HAGENAU